Traumatisierung

Die Wahrscheinlichkeit mindestens einmal im Leben Zeuge oder Opfer eines traumatischen Ereignisses zu werden ist vergleichsweise groß. Allerdings schaffen es die meisten Menschen, auch traumatische Ereignisse irgendwie zu bewältigen.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die so genannte Notfallseelsorge (auch genannt "Debriefing") manchen Menschen eher schadet und die Entwicklung einer Posttraumatischen Störung begünstigen kann. Fazit: Verdrängung ist nicht immer falsch, sondern manchmal genau das richtige.

Mit Therapieangeboten für "Traumatisierte" sollte also zurückhaltend und zunächst abwartend umgegangen werden. Die meisten Menschen schaffen es irgendwie ein Trauma zu bewältigen.

Ungefähr 15% der Menschen, die ein Trauma erfahren haben entwickeln jedoch eine behandlungsbedürftige Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Kernsymptome einer solchen Störung sind:

1. Erinnerungen an das Trauma "verblassen" nicht und verlieren auch nach langer Zeit nicht an Dramatik und werden als extrem belastend erlebt.

2. Erinnerungen gehen mit Angst und körperlich spürbarer Anspannung einher. Diese Anspannung/Angst wird als so bedrohlich erlebt, dass versucht wird, Erinnern zu vermeiden, was dazu führt, dass auch Situationen, welche erinnerungs-auslösend sind, vermieden werden.

3. Erinnerungen kommen dann aber unkontrolliert, unwillkürlich, im Alltag als "flashbacks" und in der Nacht als Alpträume wieder.

4. Betroffene berichten regelmäßig von Schuldgefühlen. Wenn sich ein solcher Zustand entwickelt, so sollte eine Traumatherapie erwogen werden.

Bei einer psychotherapeutischen Behandlung einer Posttraumatischen Störung wird (unter anderem) mit einer speziellen Therapietechnik, dem so genannten EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) gearbeitet. Bei diesem Verfahren soll der Patient unter Anleitung die traumatischen Ereignisse erinnern und gleichzeitig bestimmte Augenfolgebewegungen ausführen.

Dies geschieht nach sorgfältiger Vorbereitung und in behutsamen Schritten. Die Erfolge sind oft verblüffend, zumindest wird in der Regel relativ rasch eine spürbare Linderung der Angst erreicht, der Patient vermeidet das Erinnern weniger und wird im Alltag wieder handlungsfähiger.