Häusliche Gewalt

In der therapeutischen Praxis sind Therapeuten immer wieder mit Opfern von Gewalt konfrontiert, ganz überwiegend Frauen.

Schwerwiegende Gewalterfahrungen können zu einer Traumatisierung führen, welche ggf. mit Hilfe einer Traumatherapie besser verarbeitet werden kann (siehe auch Posttraumatische Belastungsstörung). Am häufigsten werden Frauen jedoch Opfer von häuslicher Gewalt durch ihre Partner.

Diese Gewalt kann auch seelischer Natur sein durch Demütigung, Erzeugen von Angst und Drohen. Obwohl Frauen unter häuslicher Gewalt sehr leiden, versuchen sie in vielen Fällen eine Trennung zu vermeiden und hoffen (mitunter jahrelang) vergeblich die Situation werde sich bessern. Diese Hoffnung wird begründet, die "Liebe" zum Partner sei halt so groß. Oder Trennung sei nicht möglich "wegen der Kinder".

Einigen ist aber schon bewusst, dass diese "Liebe" vermischt ist mit einer bestimmten Angst - der Angst vorm "Alleinsein". Das Leben ohne Partner erscheint vielen Menschen als etwas fürchterliches, jedenfalls schlimmer als geschlagen und gedemütigt zu werden. Dies wird als vermeintlich geringeres Übel ausgehalten. Ohne Partner oder Partnerin zu leben stellen sich erstaunlich viele Menschen als "einsam, vergessen, ALLEIN" vor.

Dieser Vorstellung liegen bestimmte Annahmen zugrunde, z. B. "Ich kann ohne Partner nicht leben", "Ich bin allein nicht lebensfähig", "Ich kann sehr vieles nicht und brauche ständig Hilfe", "Ohne Geborgenheit und Sicherheit kann ich nicht leben, beides erfahre ich nur durch eine (Liebes-) Beziehung", "Alleine werde ich mich verloren fühlen".

Man könnte also sagen: so wie ein Alkoholiker vom Alkohol abhängig ist, so fühlt sich manch anderer vom Partner abhängig. Diese (meist unbegründete) Überzeugung von der eigenen Abhängigkeit führt dazu, dass innerhalb der bestehenden Partnerschaft Dinge hingenommen werden, die man nicht hinnehmen sollte (z.B. geschlagen oder gedemütigt zu werden).

Wie kann Psychotherapie hier helfen? Ziel einer Therapie ist die Veränderung und Abmilderung der zur Abhängigkeit neigenden Gedanken und Verhaltensweisen. Dies ist ein länger dauernder Prozess, in welchem die Aufarbeitung des biographischen Hintergrundes, insbesondere die Erfahrungen in Kindheit und Jugendzeit im Mittelpunkt stehen.